Geschichte

Ideenschmiede und Werkkreis Henrichshütte

Ab 1987 wurde eine Werkanlage der Henrichshütte nach der anderen geschlossen. Am Ende waren ca. 5000 Arbeitsplätze weg. Die Arbeitslosigkeit nahm in Hattingen ein bisher noch nicht bekanntes Ausmaß an und die so genannten Sozialpläne waren so umfangreich wie nie zuvor. Letztlich waren deutlich mehr als 5000 ehemalige Mitarbeiter der Henrichshütte ohne Arbeit und viele von ihnen suchten eine Beschäftigung, nur das Spazierengehen auf Hattingens Geschäftsstrasse, der Heggerstrasse, reichte ihnen nicht. Sie fürchteten einen sozialen und gesellschaftlichen Abstieg. Diese Bedrohliche Situation abzuschwächen, wenn nicht sogar abzufangen, das war die Grundidee zur Gründung der Ideenschmiede.

Rolf Bäcker und Erich Frank griffen diese Idee auf und entwickelten sie weiter. Nach zähen Verhandlungen mit der Stadtverwaltung Hattingen und der LEG gelang es ihnen mit einer kleinen Gruppe der Ehemaligen die Ideenschmiede zu gründen. Vom 17.05.1993 an war die Ideenschmiede in der angemieteten ehemaligen Bauabteilung und Modellschreinerei der VSG zuhause. Auf ca. 1.200 m² nutzbarem Raum wurde in Eigenregie Werkstätten geplant und aufgebaut. Die Ideenschmiede und ihre Mitglieder erwachten zum Leben. Rasch stieg die Mitgliederzahl auf 500 und mehr. Das Konzept der Ideenschmiede, die eigentlich mit vollem Namen Ideenschmiede und Werkkreis Henrichshütte e.V. heißt, war aufgegangen. Die Ideenschmiede wurde schnell zu einem der größten Vereine in Hattingen. Alle Mitglieder konnten jetzt in der Ideenschmiede ihre erlernten Fähigkeiten verfolgen und weiter ausbauen! Nebenher gab es „Vertellkes“ von früher und von damals. Recht schnell wurde aus den einzelnen Mitgliedern ein richtiger schaffensstarker Verein.

In den vergangen 15 Jahren schaffte es die Ideenschmiede, sich in das soziale Umfeld der Stadt Hattingen zu integrieren. Unsere Trödelmärkte und unser Stand auf dem Hattinger Weihnachtsmarkt gehören heute einfach zu Hattingen. Stolz sind wir auch auf unsere Arbeiten innerhalb der Stadt. Von Sicherheitskennzeichnungen öffentlicher Treppen über die Herstellung seniorengerechter Parkbänken und das durchführen von Schülerpraktika bis hin zu Seniorenschaukeln haben wir geholfen, das Bild der Stadt Hattingen positiv zu prägen.

Die Zeit baute die Ideenschmiede kontinuierlich um. Aus einer Ideenschmiede der ehemaligen Hüttenarbeiter wurde langsam eine Ideenschmiede der Hattinger. Längst sind nicht mehr alle Mitglieder ehemalige, viele Mitglieder kommen aus den unterschiedlichsten Berufen und sozialen Gruppierungen. Es bildeten sich eine Frauengruppe, eine sehr aktive Jugendgruppe und mehrere fachbezogene Arbeitsgruppen, aber immer gilt: Jeder hilft jedem. Statt langweile haben wir das Motto:

Gib deiner Freizeit einen Sinn – geh zur Ideenschmiede hin!

Nach ereignisreichen 15 Jahren mussten wir 2007 eine schwerwiegende Entscheidung treffen: Die Ideenschmiede wurde vor die Wahl gestellt, die angemieteten Räume vom Eigentümer, der LEG, zu kaufen, oder die Räumlichkeiten zu verlassen, was einem Ende der Ideenschmiede gleich gekommen wäre. Schweren Herzens haben wir die Räumlichkeiten erworben, was unseren Verein finanziell und noch heute geht es darum, die Ideenschmiede mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu renovieren und ihr ein ordentliches und ansprechendes Äußeres zu geben. Trotz allem, heute können wir stolz auf unsere Werkstätten sein. Eine Dreherei, eine Schlosserei, eine Schmiede, eine Jugendwerkstatt und eine Schreinerei sind unseren Mitteln entsprechend ausgerüstet und werden von den Mitgliedern gehegt und gepflegt. Hier wird auf freiwilliger Basis gearbeitet und gewerkelt, jeder nach bestem Wissen und können. Hier werden Ideen in Werke umgesetzt, wie man es zu hause aus Mangel an Möglichkeiten nicht kann. Wir begrüßen und fördern es, wenn sich jemand auf der Grundlage seiner Idee selbständig macht. Wir haben und wir wollen unsere Einrichtung zur Entwicklung eigener Ideen zur Verfügung stellen und „Starthilfe“ geben. Wir wollen den anspruchsvollen Versuch wagen, Wirtschaftförderung von unten zu betreiben; zumindest aber, die Bemühungen des Landes zu unterstützen. Vielleicht erreichen wir, dass durch diese Anstrengung der eine oder andere Arbeitsplatz entsteht.

Zusammenfassend wollen wir durch unsere Aktivitäten Optimismus wecken, Selbstvertrauen erzeugen und uns die eigene Kraft bewusst machen – ohne aber zu verhehlen, dass wir tatkräftige Hilfe für unsere Ideenschmiede sehr gerne annehmen.

Tritt in die Ideenschmiede ein. Hier bist du Mensch, hier darfst Du`s sein!

Sie wollen wissen, was die Ideenschmiede noch alles bietet? Dann lesen Sie hier weiter….